Ernährung:

"Frei von"- Lebensmittel: sinnvoller Trend?

02. Februar 2018

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Brot ohne Gluten, Milch ohne Laktose - "Frei von"-Produkte füllen zunehmend ganze Supermarktregale. Immer mehr Menschen greifen auf diese vermeintlich "gesünderen" Produkte zurück. Sind diese oft kostspieligen Alternativen wirklich für jeden sinnvoll?

Laktosefrei - doch nicht ohne Wirkung

Viele Verbraucher wollen "gesünder" essen. Sie verzichten dafür immer öfter auf Lebensmittel, die Laktose (Milchzucker), Fruktose (Fruchtzucker) oder das Eiweiß Gluten enthalten. Tatsächlich weisen nur 15 bis 20 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Laktoseunverträglichkeit auf. Sie beruht auf einer mangelnden Aufspaltung der Laktose im Darm, weil dazu das Enzym Laktase fehlt.

Betroffene Personen leiden bei Verzehr von laktosehaltigen Milchprodukten unter Symptomen wie Bauchschmerzen und Durchfall. Daher müssen Produkte wie Kuhmilch, Quark oder einige Käsesorten gemieden oder auf die "frei von" Variante zurückgegriffen werden.
Wer Milchprodukte verträgt, profitiert aber keineswegs von der laktosefreien Variante. Im Gegenteil. Denn bei laktosefreier Milch ist der "Übeltäter" Milchzucker im Gegensatz zur handelsüblichen Kuhmilch bereits in seine beiden Bestandteile Glukose und Galaktose aufgespalten. Der enthaltene Zucker ist daher viel schneller verfügbar und lässt den Blutzuckerspiegel drastischer ansteigen. Diese Blutzuckerspitzen sind bei herkömmlicher Milch nicht oder in viel geringerem Ausmaß zu verzeichnen. Sie führen zu einer Gegenregulation des Körpers, die den Blutzucker wieder schnell absinken lässt. Auf lange Sicht wirken sich hohe Blutzuckerspitzen mit häufigen Gegenregulationen negativ auf die gesamte Blutzuckerkontrolle aus.

Viele Hartkäse sind von Natur aus laktosefreie. Da sie auch keine bereits aufgeschlossenen Zuckeranteile enthalten, resultiert bei ihnen auch nicht die beschriebene, negative Wirkung.

Gluten- und nahezu Nährstoff-frei

In den letzten Jahren ist das Angebot an glutenfreien Produkten enorm gestiegen. Viele Verbraucher greifen grundlos auf glutenfreies Maisbrot, glutenfreie Kekse oder Lebensmittel, die sowieso von Natur aus schon glutenfrei sind, zurück.

Es profitiert jedoch nur etwa ein Prozent der deutschen Bevölkerung von diesen Produkten. Das sind die Personen, die an einer krankhaften Glutenunverträglichkeit, der sogenannten Zöliakie erkrankt sind. Betroffene leiden an einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Es findet sich vor allem in den Getreidearten Weizen, Dinkel und Roggen. Zudem wird eine "Gluten-Sensitivität" diskutiert, deren genaue Ausprägungen und Diagnosen noch nicht allgemein anerkannt sind.

Wird Weizenbrot vertragen und ist keine Glutenunverträglichkeit nachgewiesen, gibt es keinen Vorteil durch den Verzehr der glutenfreien Variante. Dies gilt auch für weitere Substanzen wie Fruktose oder Histamin. Wer an Fruktosemalabsorption oder Histaminintoleranz leidet, für den sind die "Frei von"-Produkte sinnvoll. Für alle anderen nicht. Denn oft weisen die "Free-froms" eine geringere Nährstoffdichte auf als die natürliche Variante. Zudem sind sie oft mit ernährungsphysiologisch ungünstigen Zusatzstoffen "veredelt", um Geschmack und Konsistenz zu verbessern.


Quelle:

DEUTSCHES INSTITUT FÜR SPORTERNÄHRUNG e.V.
In der Aue 30-32
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www.dise.online.